Heiligblutaltar von A - Z 

 
Jubiläen sind nicht nur Rückschau auf Vergangenes. Sie sind vor allem Auftrag an uns, das Erbe des Glaubens als lebendigen Baustein zuversichtlich in die Zukunft zu tragen.
2026 wird der Heiligblutaltar in der Wallfahrtsbasilika in Walldürn 400 Jahre alt.
 
Er wurde von 1622 bis 1626 - mitten im Dreißigjährigen Krieg - von dem Bildhauer Zacharias Juncker aus Alabaster geschaffen.
 
Er steht im ältesten Teil der Kirche, in dem sich um 1330 das eucharistische Walldürner Blutwunder ereignet hat und birgt das Blutkorporale in einem kostbaren Silberschrein. 
Mit seiner würdigen und prächtigen architektonischen Fassung  dient er dem eigentlichen Zentrum der Verehrung, dem Korporale, dem Tuch des Blutwunders.
Damit bildet der Heiligblutaltar das Herzstück der Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut in Walldürn und den Ursprung der Wallfahrt.
 
Der Geburtstag des Heiligblutaltars wird mit unterschiedlichen Veranstaltungen über das Jahr verteilt in Walldürn gefeiert.

Anlässlich des Jubiläums "400 Jahre Heiligblutaltar" findet sich hier eine Zusammenfassung rund um diese Gnadenstätte von A bis Z.

Willkommen am Heiligblutaltar in der Wallfahrtsbasilika St. Georg in Walldürn.
 
 
 

Buchstabe A

 

Das Abendmahl ist im Christentum eine religiöse Zeremonie, die an das letzte Mahl Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod erinnert. Es wird auch Eucharistie oder Kommunion oder Herrenmahl bezeichnet. 
 
Das Abendmahl ist ein zentraler Bestandteil des Gottesdienstes in christlichen Kirchen. Die Teilnehmer*innen essen geweihtes Brot/Hostien und trinken geweihten Wein/Traubensaft, die für den Leib und das Blut Christi stehen. 
Das Abendmahl erinnert an Jesu Leiden und Sterben und an seine Auferstehung. Es vergegenwärtigt die Liebe Gottes und die Taten Jesu. Im Abendmahl feiert man die Gemeinschaft untereinander und die Gemeinschaft mit Jesus Christus. 
Das Abendmahl ist auch ein Ausblick auf das ewige Leben und die Feier im Himmelreich. 
Der Blutaltar zeigt eine meisterhaft kunstvolle und ins Detail gehende Reliefdarstellung des Abendmahls.  
 

Papst Eugen IV. zeichnete 1445 die fromme Verehrung des Hl. Blutes mit einem Ablass aus. Zu den Ablass-Regularien gehörten, dass man zur Gnadenstätte pilgert, die heilige Beichte empfängt, die heilige Messe feiert und kommuniziert sowie spendet.
Den Ablass konnte man auf Oktav nach Fronleichnam gewinnen. Das war der erste offizielle Walldürner Wallfahrtstag und ist bis heute deren Höhepunkt, der Große Blutsfeiertag.
Die außerordentliche Entwicklung der Walldürner Wallfahrt wurde von Papst Urban VIII. mit einem vollkommenen Ablass gewürdigt: 

Banner zum Jubiläum 2025 „Pilger der Hoffnung“; Motiv: Heilige Pforte. 
Es trägt das offizielle Logo des Jubiläums und Motto in lateinischer Sprache: „Jubilaeum A.D. MMXXV“ und „Peregrinantes in spern“.
Es ist das Erkennungszeichen am Eingang von Orten, die mit dem Jubiläum in Verbindung stehen, also auch die Basilika minor in Walldürn
„Um einen vollkommenen Ablass zu gewinnen, müssen folgende Bedingungen 
erfüllt sein: Empfang der heiligen Beichte und heiligen Kommunion an der Gnadenstätte. Gebet nach Meinung des Vaters, Vater unser – Gegrüßet, seist du Maria – Ehre sei dem Vater…” [1] 
Papst Franziskus hat u. a. verfügt, dass 2025 im Heiligen Jahr ein besonderer Jubiläumsablass gewonnen werden kann: „Der Ablass lässt uns nämlich entdecken, wie grenzenlos Gottes Barmherzigkeit ist. Es ist kein Zufall, dass einst die Begriffe 'Barmherzigkeit' und 'Ablass' austauschbar waren, eben weil dieser die Fülle der Vergebung Gottes ausdrücken soll, die keine Grenzen kennt.“  
Die Grundvoraussetzungen für die Gewinnung des Jubiläumsablasses sind demnach: Ehrliche Reue mit dem Vorsatz, die Sünde zu meiden, 
Empfang des Bußsakramentes, die Heilige Beichte; Empfang der Heiligen Eucharistie; Gebet in den Intentionen von Papst Franziskus für die katholische Kirche.
Der Jubiläumsablass selbst kann in Rom und im Heiligen Land erlangt werden, aber auch in den jeweiligen Orten eines Bistums, die der Ortsbischof dafür bestimmt hat. 
Erzbischof Stephan Burger hat für die Erzdiözese Freiburg festgelegt, dass der Jubiläumsablass unter den oben genannten Voraussetzungen auch in der päpstlichen Basilika minor in Walldürn bis zum Ende des Heiligen Jahres empfangen werden kann [2]. 


Der Ablass-Gedanke ist für viele Menschen nicht leicht zu verstehen. Er hängt mit einem bestimmten Gottesbild und Kirchenverständnis zusammen.  
Gott ist ein barmherziger und vergebender Gott. Jesus lädt ein, uns von dieser Großherzigkeit Gottes berühren zu lassen. D.h. wir sollen unser Leben reflektieren und ablassen von unserer eigenen Engherzigkeit, vom Kreisen um uns selbst und von der ungnädigen Fixierung auf die Fehler anderer.  
Das Durchschreiten der Hl. Pforte in Rom oder unserer Basilika ist ein Symbol, das uns Menschen zur Reflexion und Erneuerung auffordert.  
 

Der Korpus des Blutaltars besteht aus feinkörnigem Sandstein. Alle überreichen, figürlichen, detailgenauen Schmuckelemente des zweigeschossigen Altaraufbaus sind aus Alabaster geschaffen.
Alabaster ist eine Varietät des Minerals Gips. Chemisch handelt es sich um ein Calciumsulfat. Es hat optisch 
Abgegriffenes Putten-Antlitz durch viele Berührungen.
gewisse Ähnlichkeit mit Marmor und fühlt sich warm an. Aufgrund seiner Weichheit lässt sich das Material sehr gut bearbeiten und polieren, es ist aber auch empfindlich gegenüber Kratzern und Brüchen. Alabaster ist 
wasserlöslich, deshalb nicht wetterfest und ausschließlich für Indoor-Objekte geeignet. Seine Farbe kann je nach Fundort reinweiß, milchig trüb, hellgelb, rötlich oder grau sein. Alabaster hat in der Bildhauerei eine lange Geschichte.
Der Alabaster unseres Heiligblutaltars stammt wahrscheinlich aus dem mittelfränkischen Raum Bad Windsheim. Der Stein wurde über den Main bis Miltenberg und dann vermutlich mit dem Fuhrwerk nach Walldürn zur Verarbeitung transportiert.
 

Ein Altar ist das Zentrum des Sakralen. Er ist in vielen Religionen ein zentraler Ort der spirituellen Praxis und eine heilige Stätte.
Er markiert die Schnittstelle zwischen der profanen (weltlichen) und der sakralen (heiligen) Sphäre.

Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Wörtern „altus“ und „ara“ zusammen. „Altus“ bedeutet: emporragend, erhaben, hoch. Er ist ein erhöhter Platz oder ein Tisch. „Ara“ meint: Stätte des Opfers; für katholische Christen Stätte des Opfers Christi, also Opfertisch.
Im Christentum wird der Altar in Anlehnung an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod beging, auch als Mensa Domini (Tisch des Herrn) bezeichnet. Hier wird Gottesdienst und Eucharistie gefeiert.

Der Historische Heiligblutaltar mit dem Blutkorporale ist ein Ort der Verehrung und gilt als Gnadenaltar. Er bildet das Herzstück der Kirche und prägt die Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn. Er nimmt die Stelle ein, an der einst der Altar des Wundergeschehens stand.
 
  
 
Der Freialtar auf dem Wallfahrtsplatz ist aus rotem Buntsandstein geschaffen. An der Front- und Rückseite zeigt er Reliefs mit Kornähren als Zeichen des Brotes, an den Seitenteilen versinnbilden Reliefs mit Trauben den Wein, jeweils zentral dominiert das Heilige Blutbild. Damit wird hier ein Ort markiert, der für die eucharistische Wallfahrt steht.
 
 
 

Ein Altargitter wird auch Kommunionbank oder Chorschranke genannt. 
 
Es trennt den Altarraum von dem restlichen Kirchenschiff und markiert den Ort bis zu dem Laien vortreten dürfen. Diese Abgrenzung unterstreicht besonders die Heiligkeit des Altars, an dem Eucharistie gefeiert wird.
 
 
Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden solche
räumlichen Trennungen aufgehoben bzw.
 reduziert.
In der Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut ist diese künstlerische Gestaltung noch als
 historisches Element erhalten, auch wenn sie nicht mehr die ursprüngliche liturgische Funktion erfüllt.

Das schmiedeeiserne Altargitter um den Heiligblutaltar wurde ebenso wie die Kommunionbank am Chor und das Altargitter um den Marienaltar von den Schlossern Peter Lohr und Johann Weiner aus Amorbach gefertigt.
 

Altar und Ambo stehen in enger liturgischer Beziehung zueinander. Der Ambo gilt
 als 
Tisch des Wortes. Hier wird aus der Bibel gelesen, das Wort Gottes verkündet, gepredigt, Fürbitte gehalten und damit die Gemeinde auf die Eucharistiefeier vorbereitet. Der Altar wird auch Tisch des Brotes genannt. Er steht im Zentrum des eucharistischen Gottesdienstes.
Der Ambo am Heiligblutaltar ist ein Lesepult, das an der Frontseite das Blutbild zeigt, das aus Holz gearbeitet ist.
 
 

Im Mittelpunkt einer Blut-Andacht steht das  Gebet mit  Verehrung des Heiligen
 Blutes.
 
Die Gläubigen beten, singen und meditieren über das Leiden Jesu, um Trost und Zuversicht zu finden, um die Liebe Gottes zu preisen und um Gottes Segen zu erbitten.
Es gibt dazu ein spezielles Heft: WALLDÜRNER BLUTANDACHT mit Gebeten, Litaneien, Anrufung und Liedern zum Heiligen Blut. [3]
 
 

Der Ursprung der Wallfahrt zum Heiligen Blut liegt dem eucharistischen Blutwunder 
mit dem Blutkorporale zugrunde. Seit 1683 wird es in einem vergoldeten und mit Edelsteinen besetzten Silberschrein, dem sogenannten Augsburger Altar, aufbewahrt.
Zuvor verwahrte man das Tuch zusammengefaltet in einem kupfernen Futteral, einem kastenförmigen Behältnis. Dieses war mit einem roten Samt-Tuch eingehüllt und im Blutaltar gesichert.
Zur Wallfahrt zeigte man das Tuch den Gläubigen zur Verehrung. Ein Relief aus Alabaster seitlich des Blutaltars weist darauf hin. 
Auf einem Bild der doppelflügeligen bemalten Tür des äußeren Schreins, die die Nische mit dem Silberschrein verschließt, tragen zwei Priester das Walldürner Heiligtum in einem Kasten.
Das Falten des Korporals zur Aufbewahrung und das Entfalten zur Verehrung strapazierte das Tuch, es bestand die Gefahr von leichten Bruchstellen. So sollte ein Behältnis angeschafft werden, in dem das Tuch immer aufgespannt hing.
 
Wahrscheinlich übernahm Pfarrer Dr. theol. Leonhard Nimis, ein gebürtiger Walldürner, der seine Heimatpfarrei von 1674-1682 leitete - auch ihm ist in Walldürn eine Straße gewidmet - 

die Bestellung des Schreins bei den Gold- und
 Silberhändlern Georg Boxbart und Andreas Gablinger. Beide betrieben für die hiesige Region in Frankfurt eine Vertretung ihres Augsburger Geschäfts. Sie beauftragten den Kunsthandwerkermeister Caspar Kolb in Augsburg mit einer Fertigung des Schreins. Sein Monogramm C K ist an einigen Stellen des Silberschreins zu sehen.
Heiligenpfleger – heute Stiftungsräte – holten den Schrein nach seiner Fertigung in Frankfurt ab und brachten ihn mit dem Schiff auf dem Main nach Miltenberg. Von hier aus gelangte er mit einem Pferdefuhrwerk über die „Walldürner Höhe“ nach Walldürn.
Das 1,30 Meter hohe, 0,50 Meter breite und 0,10 Meter tiefe Kunstwerk kostete 1684 fl (Florentiner Gulden). Diese Summe wurde von den Opfergeldern der Wallfahrer in zwei Raten bezahlt.
 
Heute ist das Blutkorporale zwischen zwei Glasscheiben hinter dem Schaufenster des Gehäuses eingespannt. Der gesamte Silbermantel ist ikonographisch mit Punzieren (Prägen von Zeichen in Metall) und Ziselieren (kunstvolles Verzieren von Metall) gearbeitet. Vergoldungen sowie Edelsteine und Halbedelsteine unterstreichen die künstlerische Fertigung.
 
Der kostbare Blutschrein, der sogenannte Augsburger Altar, ist das Werk unterschiedlicher Künstler. Auch Edelsteinschleifer, Glaser, Eisenschmiede und Silbergießer waren an dem Kunstwerk beteiligt. [26]
Er umschließt bis heute das Wunderkorporale.
 

Buchstabe B

 

Er bildet die barocke Umfassung des im Renaissancestil errichteten Blutaltars und stammt aus der Zeit des Kirchenneubaus 1726/30. Die würdevolle Umrahmung des Altars schuf der Mainzer Stukkateur Georg Hennicke. 
 
Er besteht aus Holz mit Stuck-Überzug, ist prächtig farbig mit vergoldeten Ornamenten, Kapitellen und Verzierungen gefasst. Die Vergoldung besorgte erst nach der Weihe der Kirche der Walldürner Maler Sebastian Eckardt.
 
Der Baldachin bildet einen Gegensatz zu dem in Natur gehaltenen Material von grauem Sandstein und Alabaster des Heiligblutaltars.
 

Die Wallfahrtskirche, die dem Hl. Georg geweiht ist, wurde am 16. Februar 1962 
von 
Papst Johannes XXIII. zur
 Basilika minor erhoben.  Auf Befürwortung vieler hoher Gäste der Walldürner Wallfahrt hat Erzbischof Dr. Hermann Schäufele den damaligen Heiligen Vater, der selbst ein großer Verehrer des heiligen Blutes war, gebeten, der Walldürner Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut diesen Ehrentitel zu verleihen.
 
Basilika minor ist eine ganz besondere Auszeichnung, die bis zum 19. Jahrhundert nur römischen Kirchen zugebilligt wurde. Als äußeres Zeichen trägt die Basilika minor das Papstwappen am Hauptportal.
In der Kirche symbolisieren dies das „Tintinnabulum“ (ein Glöckchen; mit Blutbild und Papstwappen darunter) und das „Conopeum“ (ein kleines zeltartiges Schirmchen aus Seide in den Farben Gelb und Rot). Beide Insignien stehen im Chorraum und werden in feierlichen Prozessionen mitgetragen. Sie wurden einst von der Walldürner Frauengemeinschaft gestiftet. [3]
Nach den Ausführungen der päpstlichen Bulle gilt diese besondere Auszeichnung dem Gotteshaus mit seiner Größe und einmaligen Architektur, seinem ehrwürdigen Alter und seiner kunstvollen Ausstattung, im Besonderen der darin aufbewahrten Reliquie des Kostbaren Blutes Jesu Christi, das von so vielen gläubigen Pilgern verehrt wird.
Die Ernennungsurkunde der Walldürner Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut zur Basilika minor wurde am 16. Februar 1962 in Rom ausgestellt. Am 11. Juni verkündete Erzbischof Dr. Hermann Schäufele diese Auszeichnung feierlich während einer Priesterweihe in der Wallfahrtskirche Walldürn.
 
Mittlerweile feierte man bereits das 25. Jubiläum, am
 28. 
Juni 1987 sowie das 50. Jubiläum im Jahr 2012.
 

Die Bezeichnung Blutkorporale bezieht sich auf das Blutwunder von Walldürn. Es ist das zentrale Element der Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn.
Es handelt sich um ein Leinentuch, das der Überlieferung nach 1330 bei der heiligen Messe in der Kirche St. Georg eine wundersame Wandlung erfuhr.
Das Tuch wird in der Walldürner Basilika in Walldürn in einem kostbaren Silberschrein im Heiligblutaltar aufbewahrt. Es ist  Mittelpunkt der alljährlichen Wallfahrt, die Tausende von Pilgern anzieht.
Das ursprüngliche Bild auf dem Tuch ist im Laufe der Jahrhunderte verblasst. Es wurde 1950 mit UV-Licht sichtbar gemacht und bestätigt die Form des Gekreuzigten Christus. [4]
 
 

Papst Eugen VI. attestierte das Blutwunder in einer Urkunde mit der Gewährung eines Ablasses. Dieser Ablass konnte auf Oktav nach Fronleichnam gewonnen werden. Er forderte die Gläubigen u.a. auf für den Erhalt und die Ausstattung der Kirche zu spenden.
Diese Bulle ist das älteste schriftliche Dokument der Walldürner Wallfahrt. Das Original ging in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs verloren. Es existieren davon jedoch Abschriften und deren Übersetzung.
Der Text der päpstlichen Bulle von 1445 wurde 1571 von dem Amorbacher Notar Wunibald Dechelmann beglaubigt und um Vor- und Nachbericht ergänzt.
 

Buchstabe C

 

In der Wallfahrtskirche befindet sich im Heiligblutaltar die Reliquie des Blutwunders von Walldürn. 
Der Überlieferung nach erschien das Bild des Gekreuzigten Christus auf einem Altartuch, nachdem der Priester den Wein nach der Konsekration verschüttete. Dieses Wunder- korporale wird verehrt.
 

Buchstabe D

 

Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Lothar Franz von Schönborn, soll 1719 vor dem Blutaltar in der noch unfertigen Wallfahrtskirche voller Dankbarkeit dieses Gebet gesprochen haben:
„Von Grund meines Herzens sage ich Dir Dank, dass Du mich gewürdigt hast, in diese heilige Kirche zu kommen. Dich und Dein allerheiligstes Blut darin zu besuchen und anzubeten. Im Himmel, o Herr, ist der Sitz Deiner unermessenen Herrlichkeit, hier aber ist die Wohnung Deiner Liebe. Allhier hast Du schon oft erzeigt und erzeigst noch täglich Deine milde Gütigkeit denen, so Dich allhier anrufen. Allhier erteilst Du den Betrübten Trost, Hilfe den Notleidenden, Schutz den Verlassenen, Stärke den Schwachen, Gesundheit den Kranken, Verzeihung den Sündern und Barmherzigkeit allen, so selbige suchen und Dein allerheiligstes Blut inbrünstig verehren.
So bitte ich dann Dich durch dieses Dein allerheiligstes, auf diesem Wunder-Altar umgestoßenes, verwandeltes Blut und durch die Liebe, mit welcher Du Dich gewürdiget hast, diesen Ort zu erwählen und mit so vielen Wunderwerken zu zieren: Du wolltest Dich auch würdigen, Deine Gnade und Barmherzigkeit an mir zu erzeigen und mich an Leib und Seel gesund zu machen. Amen.“[29]
Die Wallfahrtskirche (Bauzeit von 1698 bis 1728) kann als Lebenswerk des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn betrachtet werden. Er starb am 30. Januar 1729.
 

Das Deckengemälde über
 dem 
Heiligblutaltar zeigt die Darstellung des Blutwunders.
 Wieviel davon heute noch auf die ursprüngliche Malerei des Hofkünstlers Giovanni Francesco Marchini zurückgeht, wieviel auf Rechnung der Restaurationsarbeiten 1766 Raineri`s bzw. auf die Übermalung 1883/1889 mit dunkleren Farbtönen von Malermeister Valentin Volk aus Mainz, die aber in den 1950er Jahren wieder entfernt und in hellere Töne restauriert wurde, ist nicht eindeutig zu sagen.
 
 
 

Walldürn blieb von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) nicht verschont, doch der Wallfahrtsbetrieb konnte aufrecht erhalten bleiben. Die Stadt erlitt mehrfache Plünderungen von durchziehenden schwedischen Truppen. Die Landwirtschaft mit Verwüstung der Äcker und die Wirtschaft waren in der gesamten Region zerstört. Durch Kriege, Seuchen, Krankheiten, Hungersnöte, Plünderungen und Zerstörungen kam es zu Verlusten der Bevölkerung. Die Stadt und ihre Bevölkerung brauchten lange, um sich von den Folgen dieses verheerenden Konflikts zu erholen. Der Krieg wirkte sich auch auf die Wallfahrt nach Walldürn aus, die in dieser Zeit stark zurückging, aber doch weitergeführt werden konnte. Sie brachte einiges Geld in die Stadt, damit die Kontributionen geleistet werden konnten.
 
Das Blutkorporale konnte gerettet werden, obwohl die Kirche mehrmals (1631/32) von einer schwedischen Soldatentruppe geplündert worden war. Kapuzinerpater Egbert aus Koblenz hatte es dem Zugriff der auf eine hohe Lösegeldsumme erpichten Schweden entzogen, indem er es lange Zeit unter seinem Habit auf der Brust trug. Er musste einige Male vor den Schweden in den Wald fliehen.[5]
 

Buchstabe E

 

Das Wort Eucharistie bedeutet Danksagung. Die Eucharistiefeier ist eine Wiederholung und Vergegenwärtigung des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern vor seiner Kreuzigung feierte.
 
Nach christlichem Glauben verwandeln sich in diesem Sakrament Brot und Wein in Leib und Blut Jesus Christi. Dieser Glaube an die „Realpräsenz“ Jesu in den gewandelten Gaben ist ein zentraler Aspekt der katholischen Lehre.
 
Die Eucharistie wird als Sakrament des Leibes und Blutes Christi bezeichnet. Die Gläubigen danken Gott für die Erlösung durch den Tod und die Auferstehung Jesu. Die Eucharistie ist eine Gedächtnisfeier an das Opfer Jesu am Kreuz, das in der Feier gegenwärtig wird.
 
Durch den Empfang der Kommunion treten die Gläubigen in eine tiefe Gemeinschaft mit Jesus Christus ein. Die Eucharistie stiftet auch Gemeinschaft unter den Gläubigen und macht sie zu einem Teil des „Leibes Christi“. In der Feier der Eucharistie zeigt sich das Abschiedsgeschenk des Herrn an seine Kirche: Christi Liebe, die sich in seiner Hingabe am Kreuz offenbart und aus der verlorenen Welt eine erlöste Welt macht.
 
Die Eucharistie ist ein zentraler Ausdruck des Glaubens und der Spiritualität im Christentum, der die Gläubigen mit ihrem Erlöser verbindet und ihnen die Gemeinschaft untereinander stärkt.
Walldürn ist ein eucharistischer Wallfahrtsort.
 

Im Altarraum des Heiligblutaltars hängt eine dekorative silberne Rokoko-Ampel, in der das Ewige Licht ununterbrochen brennt. Es symbolisiert die ständige Gegenwart Gottes und ist ein Zeichen der Ehrerbietung. Es brennt in einer roten Glasfassung nahe dem Tabernakel, in dem das Allerheiligste aufbewahrt ist.
 
Die 0,45 Meter hohe, prächtig gestaltete Ampel gehört zu den Kirchenschätzen. Sie wurde von Caspar Riss, Meister um 1661 in Augsburg, gearbeitet. 
 
Sie zeigt einen bauchigen Gefäßkörper für das Öl-Gefäß, der mit geschwungenen dicklappigen Akanthusblättern, üppigen Blumen und Engelsköpfen in durch- brochener Treibarbeit aus Silberblech dekoriert und an drei Ketten aufgehängt ist. [27]
 
Evtl. stammt die Ampel aus der Lieferung von 1682/83 für den Blutaltar.
 

Buchstabe F

 

Der Große Blutfeiertag ist der Höhepunkt der eucharistischen Wallfahrt zum Hl. Blut in Walldürn.
 
Er wird mit einem Pontifikalamt in der Basilika oder am Freialtar auf dem Wallfahrtsplatz gefeiert, meist vom Erzbischof der Diözese Freiburg zelebriert und von Orchestern und Chören festlich umrahmt. An das Hochamt schließt sich eine feierliche Prozession durch die festlich, mit Blumenteppichen geschmückte und beflaggte Innenstadt an. Dabei werden das Allerheiligste sowie das Blutkorporale im Schrein unter Baldachinen mitgeführt und von den Honoratioren der Stadt und Kirche begleitet sowie von den Vereinen, der Bundeswehr, den Kommunionkindern, Pilgergruppen und der gesamten Bevölkerung.
  
An bestimmten Stationen wird das Wort Gottes verkündet und der sakramentale Segen gespendet.
Dieser Feiertag in Walldürn war der ursprünglich einzige Wallfahrts- und Ablasstag. Er wird eine Woche nach Fronleichnam begangen.
 

Das äußere Bild einer liturgischen Prozession wird durch Insignien, wie Kreuz und Fahnen gekennzeichnet. Die Anzahl der Fahnen bei Prozessionen ist unterschiedlich, z. B. wird die Baunatal - Eichsfeld - Fulda - Unterfranken - Prozession von vier bis fünf Fahnen begleitet.
Kreuz und Fahnen führen die Prozession an und bekunden die Herkunft der Pilger. Sie sollen feierlich wirken und die Prozession ordnen. Oft wird das Vortragekreuz mit frischen Blumen geschmückt.
 
Die Walldürner Blutfahne erinnert an das Heilige Blut und an die Wallfahrt zu diesem Gnadenort.
 
 

Buchstabe G

 

Gemeinsame Gebete und Lieder füllen den Tag der Prozessionen aus. Predigten, Meditationen und Betrachtungen an bestimmten Stationen strukturieren den Tagesablauf.
 
Manche Prozessionen haben eine spezielle Haltung bei bestimmten Gebeten. Z.B. breiten die Pilger der Fulda-Walldürn-Wallfahrt die Arme aus bei dem Fünf-Wunden-Gebet oder beim Liedruf: "Sei uns gegrüßt o heiliges Blut…"
 
Beim ersten Anblick der Walldürner Kirche am Waldrand hinter Höpfingen werfen sie sich auf die Erde oder beim Einzug in der Kirche fallen sie vor dem Mosaik auf die Knie.
 
Regelmäßige Gebete von Rosenkranz, Litanei, Lieder und Meditationen folgen im Wechsel. Jeder Wallfahrtstag steht unter einem besonderen Gebetsanliegen, wie z.B. Frieden, Schöpfung, Maria, usw. 
 
Ein beliebtes Wallfahrts-Gebet lautet [6]:
 
„Heilig Blut! Heilig Blut! Schütze unser Glaubensgut! Stärke unseren Hoffnungsmut! Mehre unsere Liebesglut!
Heilig Blut! Heilig Blut! Wende Not und tröste Leid! Gib uns Kraft im guten Streit! Und nach allem Kampf der Zeit, schenk uns Himmels Seligkeit!”
 
Ein dreimal hintereinander gesprochenes Gebet heißt [7]:
„Ewiger Vater, wir opfern dir auf das kostbare Blut Jesu Christi, zur Sühne für unsere Sünden, zum Troste der Armen Seelen, für unsere Kirche und für unser Vaterland.”
 
Singen ist doppeltes Beten, heißt es. Die Prozessionen haben im Laufe der Jahre eine Anzahl an Liedern für die Wallfahrt nach Walldürn hervorgebracht mit einer besonderen Intention zum Heiligen Blut.  Hier einige Pilgerlieder:
 
”In Gottes Namen wallen wir, auf deine Gnad, Herr, hoffen wir. Verleih uns die aus Gütigkeit, o heiligste Dreifaltigkeit! Kyrie, eléison!” [8] 
 
Alle weiteren Strophen dieses Liedes sind auf das Heilige Blut abgestimmt.
 
„Zur Walldürner Gnadenstätte kommen wir mit frommem Sinn” [9]  
Lied: „Zur Walldürner Gnadenstätte“.
 
Dieses Lied wurde von dem Augustinerpater Gerhard Döring OSA getextet und durch den Walldürner Organisten Otto Hefner vertont.
 
Ein weiteres beliebtes altehrwürdiges Blutlied heißt: "Wie heilig dieses tiefe Schweigen…"…[10]
 
 
 

Die Gemälde der Außenflügel des äußeren Blutaltar-Schreins von 1630 sind auf Kupferblech gemalt. Sie schildern zusammen mit den auf gleicher Höhe angebrachten Alabaster-Reliefs die Geschichte des Blutwunders.
Die Innenseiten der Flügel tragen Szenen aus der Leidensgeschichte Christi des Würzburger Malers Ulrich Bühler nach flämischen Kupferstichvorlagen des 17. Jahrhunderts von Gemälden bedeutender Meister: Grünewald, Rubens. [11]
  
 

Der Walldürner Stadtpfarrer Jodocus Hoffius berichtete im Jahre 1589 in lateinischer Sprache über die Entstehung der Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn. Dieser Bericht erschien in einem Büchlein:
 
DE SACRAE WALTHURENSIS PEREGRINATIONIS ORTU ET PROGRESSU (von der Entstehung und Ausbreitung der frommen Walldürner Wallfahrt). Dort heißt es u.a.:
 
"In Franken geschah durch Gottes Eingreifen ungefähr um das Jahr 1330 ein besonders bemerkenswertes Wunder des heiligen Blutes. In Dürn, auch Walldürn genannt, feierte im Heiligtum des hl. Georg ein Priester namens Heinrich Otto das unblutige Opfer der Messe. Da er aber etwas nachlässig und unaufmerksam die so große Handlung vollzog, stieß er den schon konsekrierten Kelch um. Und siehe, sofort ergoss sich das Blut des Herrn über das darunter liegende Korporale. Die Weingestalt wurde so rot wie Blut, und wohin es auch floss, da formte es sich zu einem wunderbaren Bild: in der Mitte jenes des Gekreuzigten, an den Seiten aber mehrere „Veronicae“ – wie solche Abbildungen des Antlitz Christi im Volksmund die das hl. Haupt Christi mit Dornen umwunden zeigen.
  
Obwohl es nicht an Augenzeugen fehlte, verbarg der Priester in seinem Schrecken jenes Tuch, so wie es war…im gleichen Altar, indem er einen Stein entfernte…..Als jener Priester zum Sterben kam, da bedrängte ihn seine Krankheit, mehr aber noch quälte ihn sein Gewissen wegen dieses Vorgehens. Er wollte sterben, aber etwas Unbeschreibliches hielt seinen Tod auf. Da ging er in sich, bekannte seine Tat, nannte das Korporale und nannte den Ort, wo es verborgen war. Daraufhin starb er. Man fand alles so, wie er es gesagt hatte, und die ganze Angelegenheit machte viel von sich reden. Und Gott mehrte die Kunde davon durch täglich neue Wunder. So kam es, dass schon 70 Jahre später die Behörden beschlossen, die ganze Angelegenheit genauestens zu untersuchen, um das Ergebnis dem Papst zu berichten. Dies alles geschah im Jahre des Herrn 1408 und 1445 mit so großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, dass der Papst glaubte, durch eine Urkunde die Freigebigkeit aller auffordern zu sollen, um den Ort zur Ehre und Verherrlichung Gottes noch gebührender auszustatten und auszuschmücken.”[12]
 
Man fand das Tuch, brachte es 1408 dem zuständigen Bischof von Würzburg, Gerhard von Schwarzenberg zur Prüfung und kirchlichen Genehmigung der Wallfahrt. Im Jahr 1445 legte man das Tuch dem Papst in Rom vor. Papst Eugen IV. zeichnete seine fromme Verehrung mit einem Ablass aus. Das heute längst verblichene Bild des gekreuzigten Heilands war damals noch zu sehen, wie die vorhandene Ablassurkunde aufweist. Außerdem erwähnt dieses päpstliche Schreiben auch die „Veronicae“. 
 
Sogleich kamen Pilger zur Verehrung des Kostbaren Blutes nach Walldürn. Die ersten großen Wallfahrten sind um 1456 bezeugt. Die kirchliche Anerkennung des Blutwunders und das Ablassschreiben des Papstes bewirkte eine enorme Zunahme von Pilgern und damit Opfergelder.
 
Die Kirche wurde 1497 erweitert. Die Kirche von 1300 hatte drei Altäre (Hochaltar, Corpus Christi Altar und Barbara Altar). Die erweiterte Kirche von 1497 verfügte über fünf Altäre: der Corpus Christi Altar wurde vom ursprünglichen Gotteshaus übernommen, hier soll das Blutwunder geschehen sein. Sein Standort wird in allen weiteren Kirchenbauten respektiert. Außerdem gab es einen Altar der Jungfrau Maria, des Heiligen Kreuzes, der Seligen Apostel und des Heiligen Michael. 
 
Der Nordturm wurde bei diesem Erweiterungsbau um zwei Stockwerke erhöht.
 
Der alte Blutaltar in der kleinen Kirche des späten 15. Jahrhunderts stand für die vielen Pilger ungünstig. Pfarrer Hoffius löste zur Zeit der Wallfahrtsblüte im 15. Jahrhundert das Problem, indem er einen zweiten Blutaltar vor der Kirche aufstellen ließ.
 
1622 bis 1626 wurde der heutige Heiligblutaltar von dem einheimischen Bildhauer Zacharias Juncker geschaffen. In ihm war eine Nische ausgespart, die das Wundertuch in einer kupfernen Schatulle aufnehmen sollte.
Mit dem Bauernkrieg und der Reformation ging die Frequenz der Wallfahrt zurück, doch sie wurde in keinem Jahr ausgesetzt.
 
Mit der Gegenreformation und dem Anbau einer eigenen Blutkapelle begann ihre neue Blüte. Trotzdem reichte der Raum für die Massen der Pilger nicht aus. Hinzu kam die Baulust des aus dem fränkischen Adel stammenden Mainzer Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn. 
 
Er wollte dem Kostbaren Blut eine großartige Kirche bauen. Mit seiner frommen, aber auch zielstrebigen Haltung, entstand zur Ehre Gottes die heutige barocke Wallfahrtskirche in den Jahren 1698 bis 1728.
 
 

1722 ließ Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Lothar Franz von Schönborn, das sogenannte Große Gebet im Mainzer Sprengel organisieren und ließ es allen Pfarreien zukommen. Es trägt den barocken Titel: 
 
„Ewig-währender, nie aufhörender, immer fort und fort schallender Lieb-, Lob-, Preis- und Ehrenklang, dem Göttlichen unbefleckten Lamm!
Das ist: Gottschuldigste, Lieb- und Lobreiche, zu allen Tags- und Nachtstunden durchs gantze Jahr, mit beständiger Ablösung von Orth zu Orth fortgesetzte. vom H. Apostol. Römisch. Stuhl approbierte Verehr- Anbettung Unseres liebreichsten Herrn und Heylands Jesu Christi in dem Allerheiligsten Sacrament. “[30]
 
Das neue Gotteshaus sollte der Ehre Gottes dienen und eine Stätte des Gebets und der Gottesbegegnung werden.
 

Buchstabe H

 

Der Heiligblutaltar ist nicht nur ein kunsthistorisches Juwel. Er birgt das Korporale als religiöses Zentrum für das Blutwunder und stellt die Verehrung der Eucharistie und des Erlösungswerks Christi in den Mittelpunkt der Wallfahrt.
 
Er ist eine Schöpfung des einheimischen Bildhauers Zacharias Juncker aus Alabaster in den Jahren 1622-1626. Jedes Detail will zum Nachdenken anregen und versucht, dem Betrachter das Unfassbare des Blutwunders begreifbar zu machen.
 

Buchstabe I

 

Die Ikonographie des Blutaltars fokussiert die Bedeutung des Blutwunders. Die einzelnen Elemente sind eng mit den historischen Ereignissen und der theologischen Bedeutung des Altars verknüpft.
Im Mittelpunkt steht die Reliquie des Heiligen Blutes. Sie ist zentraler Gegenstand der Verehrung.
 
 
 
  
Die Heiligenfiguren, wie Hl. Nikolaus, Hl. Katharina von Alexandrien, Hl. Maria Magdalena und Hl. Elisabeth von Thüringen verkörpern eine starke Nächsten- sowie Gottesliebe. Sie umrahmen den Heiligblutaltar.
 

Zwei Inschriften bezeugen die Entstehungszeit und den Urheber des plastischen Werkes am Altaraufbau:
Vorn auf dem Tischtuch auf dem Relief des Abendmahls an der Predella sowie auf der Rückseite des Altars ist in den Stein gehauen:
 

Buchstabe J

 

Magister Jodocus Hoffius kann man als treibende Kraft, eifrigen Förderer und Erneuerer der Walldürner Wallfahrt betrachten, nachdem das Leben der Walldürner sich nach der Reformation und dem Bauernkrieg hin schleppte, nachdem Walldürn sich politisch gedemütigt, religiös im Stich gelassen fühlte und sich wirtschaftlich ohne Entwicklungsmöglichkeiten sah.
 
Mit dem Konzil von Trient 1563/64 erstarkte der Katholizismus. Walldürn bekam den Stadtpfarrer Magister Jodocus Hoffius. Er stammte aus Aschaffenburg, war gebildet, hatte eine akademische Ausbildung erfahren, worauf sein Grad und die Latinisierung seines Namens hinweisen könnte.
 
Er blieb 42 Jahre am Ort und schuf zwischen 1586 und 1628 die Grundlagen der heutigen Wallfahrt. Hoffius versuchte mit allen Mitteln die Wallfahrt zu fördern. Er wollte dem bescheidenen Städtchen in wirtschaftlich und geographisch ungünstiger Situation eine ökonomische Basis schaffen. 
 
Gleichzeitig war ihm das Seelenheil und die geistige Bildung seiner Pfarrgemeinde wichtig: "Die Walldürner sollen ein leuchtendes Vorbild für alle frommen Pilger sein, sonst seien sie dem heiligen Blut unwürdig".
 
Oft missfielen den Walldürner seine feurigen Predigten, zumal er ihre Schandtaten von der Kanzel rief. Er legte großen Wert auf Heiligung des Feiertags, Heben der Sitten und auf eine sehr frühe Polizeistunde. Damit ging er mit der kurfürstlichen Verordnung konform.
 
Während seiner Amtszeit wurden kostbare Paramente angeschafft, er gab den Blutaltar in Auftrag, unter ihm bildeten sich drei Wallfahrtstage heraus (Fronleichnam, Ablasstag Großer Blutfeiertag und dessen Oktav der Kleine Blutfeiertag). Damit wollte er die wirtschaftliche Situation der Walldürner Bevölkerung verbessern. Er baute 1626 die Kirche um und stattete sie mit drei neuen Altären des Bildhauers Juncker aus, von denen nur der Große Blutaltar erhalten blieb. Er verfasste Druckschriften zur Verbreitung der Wallfahrt. Er organisierte Feierlichkeiten am Ort und wirkte unermüdlich von der Kanzel als wortgewaltiger Prediger und erfolgreicher Befürworter des Blutwunders von 1330.
 
Als Seelenhirte kämpfte er beharrlich für die Bewahrung des christlichen Glaubens an die Gegenwart Christi unter dem konsekrierten Brot und Wein.
 
Ihm ist die gute Entwicklung der Walldürner Wallfahrt zum Heiligen Blut  zu verdanken, ebenso das Bekanntwerden der Stadt Walldürn über die Region hinaus. [13]
 
In der Stadt Walldürn ist ihm eine Straße gewidmet.
 

Im Jahr 2026 wird der Heiligblutaltar 400 Jahre alt.
 
Er wurde während des Dreißigjährigen Kriegs von dem Bildhauer Zacharias Juncker in Sandstein und Alabaster geschaffen und hat den großen Um- und Neubau der Kirche (1698-1728) unversehrt überstanden.
 
Der Heiligblutaltar in der Walldürner Basilika zum Heiligen Blut bildet den zentralen Ort, an dem sich der Überlieferung nach um 1330 das Blutwunder ereignet hat. Hier wird bis heute das Blutkorporale in einem Silberschrein aufbewahrt und verehrt.
 
Mit verschiedenen Veranstaltungen der Kirche und Stadt sowie des Heimat- und Museumsvereins soll der Geburtstag des Blutaltars gefeiert werden.
 

 

[1] Flyer; Wallfahrt zum Hl. Blut; Wallfahrtsleitung Walldürn, Burgstraße;
 
[2] Abbildung und Text: Pilger der Hoffnung; Jubiläum 2025; Deutsche Bischofskonferenz;
 
[3] Walldürner Blut-Andacht; Katholisches Pfarramt Walldürn; Ausgabe 2008; Titelseite;
 
[4] Vergl. Wallfahrt zum Heiligen Blut in Walldürn; Korporale-Schutztuch im Licht der ultravioletten Strahlen; Wallfahrtsleitung; Katholisches Pfarramt St. Georg, Walldürn;
 
[5] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Dreißigjähriger Krieg; Wallfahrtserneuerung; S. 60-62;
 
[6] Walldürner Blut-Andacht; Katholisches Pfarramt Walldürn; Ausgabe 2008; S. 25;
 
[7] Walldürner Blut-Adacht; Katholisches Pfarramt Walldürn; Ausgabe 2008; Innenseite hinteres Umschlagblatt;
 
[8] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Wallfahrtslieder; S. 243;
 
[9] Walldürner Beiheft zum Gotteslob; Nr. A 74;
 
[10] Walldürner Beiheft zum Gotteslob; Nr. A 73;
 
[11] Wallfahrts- und Pfarrkirche Walldürn; Kirchenführer; Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg; S.10;
 
[12] Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Kult des Heiligen Blutes; Ursprungsfassung der heutigen Legendenversion; S. 21;
 
[13] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Erneuerer der Wallfahrt; S. 56-59;
 
[14] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Kultausbreitung und Wallfahrtsort; Stadtentwicklung durch Wallfahrtsblüte; S. 62-64;
 
[15] Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Abb. 67
 
[16] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Marodewagen; S.228-229;
 
[17] Vergl. Die Wallfahrtskirche zum Hl. Blut in Walldürn; Karl Lohmeyer; S. 31-32;
 
[18] Wallfahrts- und Pfarrkirche Walldürn; Kirchenführer; Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg; S.36;
 
[19] 650 Jahre Wallfahrt in Walldürn; Hrsg. Peter Assion; Wallfahrtserneuerung; S.21
 
[20] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Heilig-Blut-Altar; S.23;
 
[21] Wallfahrts- und Pfarrkirche Walldürn; Kirchenführer; Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg; S.10;
 
[22] Wallfahrts- und Pfarrkirche Walldürn; Kirchenführer; Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg; S.9-10;
 
[23] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Die Ursprungslegende; S. 46-47;
 
[24] Vergl. 650 Jahre Wallfahrt in Walldürn; Hrsg. Peter Assion; Votivgaben; S. 36;
 
[25] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Wallfahrtserneuerung; S. 57; 
Entstehung des Hl. Blut-Marktes; S. 83
 
[26] FN; Presseartikel vom 18./19. Mai 1996; Größtes Reliquiar in der Erzdiözese Freiburg; Theodor Wick;
 
[27] Kirchenarchiv
 
[28] Vergl. Die Verehrung des Heiligen Blutes Walldürn; Wolfgang Brückner; Berühren des Kultobjekts; S. 257
 
[29] 250 Jahre Wallfahrtskirche zum Hl. Blut in Walldürn; August Gramlich; S. 27
 
[30] 650 Jahre  Wallfahrt Walldürn; Friedhelm Jürgensmeier; S.66-67
 
[31] Website der Stadt und Kirchenarchiv.
 
Texte und Bilder entstammen aus dem Heft "Heiligblutaltar von A-Z"  (Auflage 2026, Heftnr. 15)  aus der Reihe "Walldürner Museumsschriften"  des Heimat - und Museumsverein Walldürn e.V.