Die Wallfahrt von Fulda nach Walldürn

 
Im Pestjahr 1682 legten die Bewohner von Küllstedt im Eichsfeld das Gelübde ab "zur Versöhnung des Allerhöchsten eine Buß-Wallfahrt nach Walldürn zur Verehrung des "heiligen Blutes Jesu Christi" durchzuführen. Die erste Wallfahrt ist für den 3. Pfingsttag 1683 (8. Juni) belegt. 18 Tage, später 15 Tage, waren die Pilger hin und zurück zu Fuß unterwegs. Im Jahre 1706 schlossen sich die Eichsfelder und die Fuldaer Walldürnpilger zusammen. An der Wallfahrt nehmen auch eine große Zahl Pilger aus Unterfranken und aus Orten am Wallfahrtsweg teil.
 
 
Die Wallfahrt "Zum Heiligen Blut" wird seit ihrer Entstehung jährlich ohne Unterbrechung durchgeführt. Weder Strafen, Gefängnis, Krieg, Hunger und Seuchen konnten die Pilger abhalten, ihren Weg zu gehen. Im Jahre 1861 kenterte eine mit Pilgern besetzte Fähre zwischen Retzbach und Zellingen im Hochwasser führenden Main. Wie durch ein Wunder wurden alle Wallfahrer gerettet. Ab dem Jahre 1892 benutzten die Eichsfelder die Bahnverbindung für die Strecke von Eschwege nach Fulda und die eigentliche Wallfahrt begann in Fulda.
 
 
Besonders beschwerlich waren die Wallfahrten während der Weltkriege. Es waren überwiegend Frauen, die die Sorgen und Nöte in dieser Zeit mit auf den Weg nahmen. Später verhinderte die Grenze zur DDR, dass die Wallfahrer aus dem Eichsfeld als geschlossene Gruppe nach Walldürn wallen konnten. Trotzdem nahmen unter erschwerten Bedingungen, meist Rentner, heimlich an der Fußprozession ab Fulda teil.
Seit dem Jahre 1979 hat sich eine eigenständige Gruppe aus dem Norden der Diözese Fulda mit Ausgangspunkt Baunatal auf den Weg zum Bonifatiusgrab nach Fulda gemacht und sich von dort der Walldürnwallfahrt angeschlossen. Nach der Grenzöffnung im November 1989 kommt seit dem Jahre 1990 wieder eine eigenständige Pilgergruppe aus dem Eichsfeld und führt das einstmals gegebene Gelübde fort.
 
 
Hatte die Pilgerzahl seit dem Jahre 1945 zwischen 9 und 429 Pilgern gelegen (Ausnahme 1947 - 1100 Pilger), so stieg sie ab dem Jubiläumsjahr 1981 (275 Jahre Walldürn - Wallfahrt) kontinuierlich an und liegt zurzeit bei ca. 1000 Wallfahrern, sowohl beim Abgang der Fußprozession in Fulda als auch bei der Ankunft in Walldürn. Erkennbar hat die Zahl der jungen Pilgerinnen und Pilger stetig zugenommen.
 
Ansprechpartner

Winfried Möller

Stellvertretender Wallfahrtsleiter